Eine Anleitung zum Glücklich sein in drei Teilen: Teil 2: Das Empfinden von Glück ist eine innere Einstellung

28. Februar 2017 Michaela Zimmermann
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Im ersten Teil dieser Serie haben wir die perfekte Bergerfahrung geschildert, die in einem Flow-Erlebnis mündete. Im zweiten Teil beschreiben wir, wie wir dem Glück auf die Sprünge helfen können.

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Wissenschaftlichen Studien belegen, dass Glück nicht nur unser seelische Wohlbefinden fördert. Es fördert auch unsere kreativen Fähigkeiten und stärkt zudem unser Immunsystem. Die Ausstrahlung eines glücklichen Menschen überträgt sich auf seine Umgebung und wird eher erwidert, wodurch sich das Empfinden von Glück verstärkt.

Einer der ersten, der sich dem Glück von wissenschaftlicher Seite her annäherte, war Mihaly Csikszentmihalyi. Er wird oft auch als der Glücksforscher bezeichnet. In seinem berühmten Buch „FLOW: The Psychology of Optimal Experience“ schreibt er:

„Happiness does not depend on outside events, but rather on how we interpret them. Happiness, in fact, is a condition that must be prepared for, cultivated and defended privately by each person. People who learn to control inner experience will be able to determine the quality of their lives, which is as close as any of us can come to being happy.“

>>Das Empfinden von Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab, sondern wie wir diese interpretieren. Glücksgefühle sind tatsächlich vielmehr ein Zustand, auf den wir uns vorbereiten müssen, der gepflegt und von jedem persönlich verteidigt werden muss. Menschen, die lernen, diese innere Erfahrung zu kontrollieren, werde in der Lage sein, ihre Lebensqualität selbst zu bestimmen und damit einem Zustand der Glückseligkeit so nahe wie möglich zu kommen.<<

Was uns in den Bergen glücklich macht

Für uns bei Steinbock Bergtouren sind die Berge der Ort, wo wir Glück und manchmal auch den Flow erleben. Hier kommen wir in Einklang mit uns und unserer Umgebung.

Wesentliche Faktoren für das Empfinden von Glück in den Bergen sind sicherlich die schöne Landschaft und die Bewegung an der frischen Luft. Doch auch Sonnenschein, unsere Begleiter und die Aussicht auf eine gute Brotzeit können dazu beitragen. Sie können dazu beitragen, sie müssen aber nicht unbedingt. Ich kann genauso gut glücklich sein, wenn ich alleine in den Bergen bin, bei gutem wie bei schlechtem Wetter. Und wenn ich richtig hungrig bin, schmeckt sogar das Käsebrot, das gestern schon auf einem Gipfel war.

Artikelbild Glücklichsein in den Bergen

Wenn die Tour richtig ausgewählt wurde, kann man auch am Ende einer Hüttenwanderung noch so lachen.

Wie Csikszentmihaylyi schreibt, hat das Empfinden von Glück nur bedingt etwas mit den äußeren Umständen zu tun. Ich muss innerlich bereit sein, Glück zu empfinden. Es hilft nicht, mich über die Ungerechtigkeit des Chefs zu ärgern. Ich bin da, wo ich hinwollte und tue das, worauf ich mich zuvor gefreut habe. Wir müssen das Empfinden von Glück zulassen, indem wir den Augenblick bewusst positiv bewerten und uns ihm nicht durch negative Empfindungen verschließen.

Um glücklich zu sein braucht es Zeit

Das Empfinden von Glück muss vorbereitet werden. Ich kann Glück vielleicht nicht planen, ich kann dem Glück aber mit Vorfreude den Weg ebnen. In dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry bittet der Fuchs den kleinen Prinzen ihn zu zähmen. Der kleine Prinz solle hierzu jeden Tag zur gleichen Zeit kommen, damit sich der Fuchs schon vorher auf ihn freuen könne.

Es ist besser, die Planung für die nächste gemeinsame Bergtour nicht den anderen zu überlassen. Stattdessen sollten wir uns die Zeit nehmen, eine Bergtour gemeinsam mit genug Vorlauf zu planen. Dadurch erhöhen wir nicht nur die Sicherheit, sondern steigern vor allem unsere Vorfreude.

Das Empfinden von Glück geht viel zu häufig im Multitasking des Alltags unter. Ständige Erreichbarkeit, Termindruck, Planung und Organisation – wir alle haben eine mehr oder weniger fordernde, manchmal belastende Aufgabe, egal ob es Berufsalltag oder Familienmanagement ist. Viel zu selten nehmen wir uns kleine Auszeiten, in denen wir in uns hineinhören und den Augenblick bewusst genießen. Das kann der Eisbecher im Straßencafé sein, ein Spaziergang im Park oder eben eine Bergwanderung.

Die Berge steigern nicht nur unser Wohlbefinden, sie fördern auch unsere Kreativität

In den Bergen finden wir nicht nur die Ruhe, um den Alltagsanforderungen von Multitasking und ständiger Erreichbarkeit zu entfliehen, wir finden in ihnen auch die Muße, die uns hilft, kreativ zu sein und mit neuen Ideen unsere Ziele zu verfolgen. Der Musiker Sting sagte vor kurzem in einem Interview mit Spiegel online („http://www.spiegel.de/kultur/musik/sting-ich-muss-nicht-geliebt-werden-a-1120699.html“): „Ich dachte immer, ich muss andauernd schreiben. Und wenn es nicht ging, dachte ich, es muss eine psychische Blockade sein. Das ist Quatsch! Du musst für Input sorgen: Reisen, Wandern gehen, mit den Kindern spielen, Fußball gucken: Alles, irgendwas, aber bloß nicht anfangen, mit dir zu hadern.“ Um unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten, müssen wir auch mal einen Augenblick innehalten. Dabei hilft es, wenn wir unsere Wahrnehmung für das Positive schulen, um auch für unerwartete Glücksmomente empfänglicher zu sein.

Eigene Leistung anerkennen, gerade wenn es mal nicht so gut läuft

Um glücklich zu sein, müssen wir Ziele wählen, die wir auch erreichen können. Ein Misserfolg gehört natürlich ebenso sehr dazu wie der Erfolg. Wenn uns etwas in den Schoß fällt, wissen wir es oft nicht so sehr zu schätzen, als wenn wir dafür auch etwas kämpfen mussten. Aber wir sind nicht alle Hochleistungssportler. Wir sollten uns nicht mit anderen vergleichen, sondern so akzeptieren wie wir sind. Vielmehr ist es für das Glücksempfinden wichtig, seine eigene Leistung zu schätzen und positiv zu bewerten. Wir sind nicht alle immer gut drauf und an manchen Tagen geht mehr, als an anderen Tagen. Aber gerade wenn mal nicht so viel geht, ist es gut, wenn wir uns auf die Schulter klopfen und uns über unsere Leistung freuen, gerade weil heute nicht unser Tag ist.

Wir Bergwanderführer bei Steinbock Bergtouren möchten Ihnen helfen, in den Bergen Ihr Glück zu finden. Uns geht es nicht nur um den Gipfel, sondern um das ganze Bergerlebnis und den Genuss des Augenblicks.

Und wenn Sie etwas über den Wert des Bergsteigens erfahren wollen, lesen Sie doch diesen Blog-Beitrag.

Artikelbild Glücksempfinden in den Bergen

Einfach mal den Augenblick genießen