Auftakt in der Reintalangerhütte – Weg zur Zugspitze

17. Juli 2013 Peter Hergersberg
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Auf Simons Hütte gibt es zwei Spezialitäten: Schweinebraten und Hüttenmusik. Kurz vor der Nachtruhe trägt der Wirt der Reintalangerhütte regelmäßig sein Hackbrett in die Gaststube und spielt darauf von Kollegen an Gitarren oder auch mal auf der Geige begleitet bayerische Lieder. Als ich davon erfuhr, kam mir der etwas übermütige Gedanke, da mit zu machen, wenn ich und meine Freundin auf dem Weg zur Zugspitze im Reintal übernachten würden. Ich bekam dann zwar auch bald schon wieder Angst vor der eigenen Courage, aber da gab es schon kein Zurück mehr. Meine Freundin hatte sich nämlich schon erkundigt, ob es in Ordnung sei, wenn ich meine Geige mitbrächte.

Also trug ich das Instrument, das bald recht schwer mal am rechten und mal am linken Arm hing, vom Kreuzeck über den Bernadeinsteig bis zu Simons Hütte. Als Geiger der klassischen Schule war ich dankbar, dass es Noten gab und ich vor dem Abendessen noch üben konnte, was für heute auf dem Programm stand. Trotz der kurzen Probe wurde ich dann doch reichlich nervös, als ich meine Geige holte und mich damit zu Simon am Hackbrett, Gundula und Bernal an den Gitarren in die volle Stube setzte.

Die drei legten mit einem lustigen Tanz auch so flott los, dass ich Mühe hatte hinterherzukommen. Und da die drei gut eingespielt waren, zweifelte ich kurz, ob die Idee, mich ohne gemeinsame Probe an der Hüttenmusik zu beteiligen, nicht dumm war. Zumal ich weder im Spiel mit anderen Musikern noch vor Publikum geübt bin. Aber schon beim zweiten Stück, einer getragen Weise, fand ich mehr Sicherheit, und hatte auf einmal viel Spaß an der Musik, die zu der Landschaft der Hüttenatmosphäre viel besser passt als die Sonaten und Konzerte, die ich daheim tapfer übe. Das Gefühl nahm ich auch in die beiden Tänze mit, mit denen das musikalische Programm schon wieder endete. Da bedauerte ich sogar, dass es mit der Musik schon wieder vorbei war.

Immerhin war das Unterhaltungsprogramm noch nicht ganz vorbei. Denn anschließend erzählte Erich, ein Bergführer, noch eine Geschichte, die klar machte, wie wichtig Musik auf der Reintalangerhütte ist. Simon war vor einigen Jahren nämlich an eine Aufnahme gelangt, die irgendwie nach Südasien klang und ihm so gut gefiel, dass sie eine Zeit lang regelmäßig in der Hütte zu hören war. Da aber keiner wusste, woher die Musik genau stammte, reiste Erich auf den indischen Subkontinent, um die Urheber der Lieder aufzuspüren.

Artikelbild Reintalangerhütte Erich Abel Zugspitze

Erich Abel am Akkordeon

Nach zahlreichen Zwischenstationen endete die Suche letztlich erfolgreich. Diese Geschichte rundete Erich schließlich noch mit einem Lied ab: Unter seiner Bank zog er ein Akkordeon hervor und spielte gekonnt die Titelmelodie des Films „Maybe Bangladesh“, der die Suche dokumentiert. Für mich wurde der Hüttenabend durch die Musik und die Geschichte über die Leidenschaft für Musik jedenfalls zu einem der beiden Höhepunkte dieser Tour. Den anderen erreichten wir am frühen Nachmittag des nächsten Tages: Da stand ich zum ersten Mal in meinem Leben auf der Zugspitze.

Lust bekommen, selbst mal auf der Reintalangerhütte zu übernachten? Dann kommen Sie mit und besteigen Sie mit uns Deutschlands höchsten Berg während einer geführten Hüttenwanderung.

Artikelbild Reintalangerhuette Zugspitze

Frisch gestärkt geht’s am nächsten Morgen zur Zugspitze

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